Projekte
Entwicklung und Überprüfung von Kompetenzmodellen zur integrativen Verarbeitung von Texten und Bildern
(DFG-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergebnisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen")
Kurzbeschreibung:
Das Lernen in vielen Schulfächern ab der Sekundarstufe I basiert wesentlich auf Lehrmaterialien mit Texten, die instruktionale Bilder enthalten. Zum Aufbau adäquater Wissensstrukturen müssen Lernende Text- und Bildinformationen aufeinander beziehen und integrativ verarbeiten. Die Entwicklung dieser Kompetenz zur integrativen Verarbeitung von Text- und Bildinformationen bei Schülern dürfte analog zur Kompetenzentwicklung in anderen Bereichen maßgeblich vom Unterricht ihrer Lehrkräfte beeinflusst werden. Dementsprechend sind Modelle zur Struktur und Entwicklung dieser Kompetenz auf Schülerebene mit komplementären Modellen der betreffenden fachlichen und fachdidaktischen Kompetenz auf Lehrerebene, insbesondere der diagnostischen Kompetenz, in Beziehung zu setzen.
Ziel ist die Überprüfung von Kompetenzmodellen zur Text-Bild-Integration auf Schüler- und Lehrerebene. Auf Schülerebene wird untersucht, welche Strukturmerkmale die Kompetenz zur Text-Bild-Integration kennzeichnen und welchen Einfluss die Schulform und das Alter auf den Kompetenzstatus haben. Auf Lehrerebene wird untersucht, welche fachlichen und fachdidaktischen Kompetenzen Lehrkräfte unterschiedlicher Schulfächer zur Förderung der Kompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler besitzen und inwieweit diese Kompetenzen von Ausbildung und Berufserfahrung abhängig sind. Die Kompetenzmodelle zur integrativen Verarbeitung von Texten und Bildern werden auf Schüler- und Lehrerebene zum Zweck einer diskriminativen Konstruktvalidierung mit Modellen der reinen Textlesekompetenz verglichen.
Wissenskonstruktion anhand von Texten und Bildern mit konfligierenden Informationen aus dem Internet.
(DFG-Projekt im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Wissenschaft und Öffentlichkeit: Das Verständnis fragiler und konfligierender wissenschaftlicher Evidenz" in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln und der Hochschule für Angewandte Psychologie, Institut für Kooperationsforschung und -entwicklung der Fachhochschule Nordwestschweiz)
Kurzbeschreibung:
Zur Kommunikation von wissenschaftlichen Informationen werden neben Texten in beträchtlichem Umfang auch Bilder eingesetzt, was in den meisten Fällen zu einer besseren Verstehensleistung führt als eine rein textbasierte Darstellung. Allerdings beschränken sich praktisch alle bislang durchgeführten Untersuchungen zur mentalen Kohärenzbildung bei der Verwendung von Texten und Bildern auf Fälle, in denen die dargebotenen Informationen redundant sind oder einander ergänzen. Aufgrund dieser Einschränkungen eignen sich die bisher vorgeschlagenen Modelle zur integrierten Verarbeitung von Texten und Bildern nicht zur Modellierung von Lern- und Verstehensprozessen bei der Rezeption von inkonsistenten Informationen. Solche konfligierende Evidenz findet sich z.B. häufig in internetbasierten Publikationen, die unterschiedliche Positionen einer wissenschaftlichen Kontroverse repräsentieren.
In unserem Projekt soll ein Modell der kognitiven Prozesse formuliert und überprüft werden, die an der Verarbeitung von Inkonsistenzen zwischen Informationen aus multiplen wissenschaftsbezogenen Dokumenten beteiligt sind. Dabei soll der Einfluss verschiedener grafischer Repräsentationsformate (realistische Bilder und abstrakte Diagramme) auf die Wissenskonstruktion in Abhängigkeit von der wahrgenommenen Glaubwürdigkeit und Plausibilität der Informationsquellen analysiert werden. Gleichzeitig wird die Rolle von Rezipientenmerkmalen wie z.B. dem domänenspezifischen Vorwissen als potenzielle Moderatoren dieses Einflusses untersucht.
Diagnostische und didaktische Kompetenz von Lehrkräften zur Förderung der Text-Bild-Integrationsfähigkeit bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I
(Projekt im Rahmen des vom BMBF geförderten Programms "Entwicklung von Professionalität des pädagogischen Personals in Bildungseinrichtungen")
Kurzbeschreibung:
In der Sekundarstufe I werden SchülerInnen zunehmend mit Lehrmaterialien konfrontiert, in denen Texte mit verschiedenen Arten von Visualisierungen (Graphiken, Diagrammen etc.) kombiniert sind, und die eine integrative Verarbeitung der Text- und Bildinformation erfordern. Da aber diese integrative Verarbeitung von Texten und Bildern bisher nicht systematisch gelehrt wird, bestehen hier teilweise erhebliche Defizite.
Die Förderung von Schülerfähigkeiten zur integrativen Verarbeitung von Texten und Bildern erfordert von Lehrenden entsprechende diagnostische und didaktische Kompetenz, die wiederum entsprechendes fachliches und fachdidaktisches Wissen voraussetzen. Ein auf diagnostischer und didaktischer Kompetenz basierendes adäquates Unterrichtshandeln beinhaltet, neben der angemessenen Zielsetzung und Auswahl von Lernaufgaben, den Verlauf des Lernprozesses durch geeignetes Feedback zu regulieren.
Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt auf die Beantwortung folgender Fragen: (1) Welche diagnostische Kompetenz besitzen Lehrkräfte hinsichtlich der Anforderungen der Text-Bild-Integration? (2) Welche didaktische Kompetenz besitzen Lehrkräfte hinsichtlich der Vermittlung von entsprechendem Feedback an Schülerinnen und Schüler? (3) Welchen Einfluss hat die Berufserfahrung auf die betreffende diagnostische und didaktische Kompetenz von Lehrkräften? (4) Wie kann die diagnostische und didaktische Kompetenz von Lehrkräften im Bereich der Text-Bild-Integration gefördert werden? Die Beantwortung der Fragen soll konzeptionelle Grundlagen für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften in diesem Bereich schaffen und zugleich Unterrichtsmaterialien sowie entsprechende Trainingskonzepte zur Verfügung stellen.
Feedbackeffekte beim Selbstregulierten Lernen im Bereich der Text- / Bildintegration
Kurzbeschreibung:
Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Lernprozesse durch Feedback unterstützt werden können (z.B. Narciss, 2004; Zimmerman, 1998, 2000). Allerdings fanden Kluger und DeNisi (1996) in einer Metaanalyse, dass in einem Drittel der Studien Feedback entweder gar keinen Einfluss auf das Lernergebnis hatte oder sogar zu einer Verschlechterung führte. Feedback kann einerseits Lernprozesse regulieren und wird grundsätzlich auch von den Lernenden als hilfreich angesehen. Andererseits kann Feedback Lernende aber auch kognitiv oder emotional überfordern. Wenn nicht benötigte Informationen als Feedback gegeben werden oder wenn dieses Feedback zu einem ungeeigneten Zeitpunkt im Lernprozess erfolgt, kann dies zu einem Anstieg des 'extraneous cognitive load' führen, der die kognitiven Ressourcen des Lernenden unnötig belastet (Sweller, 1999, 2005; Schnotz & Kürschner, 2007). Es gilt deshalb, Feedback möglichst genau zu dosieren, d.h. die inhaltlich sinnvollen Hilfen zum richtigen Zeitpunkt zu geben und dabei nicht nur die kognitiven, sondern auch die emotionalen und motivationalen Aspekte des Lernens zu berücksichtigen.
Im Rahmen des Projektes soll deshalb der Einfluss unterschiedlicher Feedbackarten auf kognitive, emotionale und motivationale Aspekte des Lernens mit Texten und Bildern mit Hilfe des neu entwickelten webbasierten, interaktiven Lernprogramms 'fe-male.web' (feedback mediated adaptive learning environment) systematisch erfasst und präzisiert werden.

